Exportüberschüsse: Tourismus als ausgleichender Faktor

Deutschlands Exportüberschüsse sind seit Jahrzehnten hoch und werden zunehmend international kritisiert. Lösungsvorschläge reichen von stärkeren Staatsinvestitionen über höhere Löhne bis zu Strafzöllen. Viel zu selten in den Blick genommen wird hingegen die ausgleichende Pufferfunktion des Tourismus, der vor allem Deutschland in der Leistungsbilanz entlastet.

Außenhandelsbilanz nur die halbe Wahrheit

Die USA beklagen ihr Handelsbilanzdefizit heftig. Der alleinige Blick auf die Außenhandelsstatistik greift jedoch viel zu kurz: Abgebildet ist ausschließlich der physische Warenverkehr. Dienstleistungen und Ausgaben von Reisenden werden nicht einbezogen. Dort stellt sich das Verhältnis genau spiegelbildlich dar: Werden Einnahmen und Ausgaben durch Touristen verglichen, fällt in den USA ein enormer Überschuss von rund 74 Milliarden Euro an. Das heiІt: Ausländische Touristen geben dort deutlich mehr Geld aus als es US-Amerikaner im Ausland tun. China und Deutschland hingegen rangieren unter den Ländern mit den größten Defiziten. Deutsche Touristen geben weltweit rund 38 Milliarden Euro mehr aus, als der hiesige Reisemarkt durch ausländische Touristen einnimmt. Allein der Tourismus mildert den deutschen Außenhandelsüberschuss damit um rund 15 Prozent ab! De facto nehmen die Ausgaben der deutschen Reisenden in der Leistungsbilanz Druck von Industrien wie der Automobilbranche, dem Maschinenbau oder der Chemie.

Reisebranche stärken

Umso wichtiger ist es, den Reisesektor zu stärken und hemmende Faktoren zu beseitigen. Ein stärkerer Fokus sollte auf die Bedingungen für den Outgoing-Tourismus gelegt werden. Zu diskutieren ist etwa die Luftverkehrsteuer, mit der der deutsche Fiskus seit 2011 sämtliche Abflüge aus Deutschland belegt – in Summe eine Milliarde Euro pro Jahr. Soll der internationale Tourismus auch in Zukunft seine ausgleichende Wirkung entfalten, müssen derartige Hemmnisse einer fördernden Politik weichen – zum Wohl einer ausgeglicheneren Bilanz und zum Wohl von Entwicklungsländern.

Entwicklungsmotor Tourismus

Deutsche Tourismusausgaben im Ausland gleichen nicht nur die Leistungsbilanz aus, sie bieten auch Perspektiven in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dort schaffen 15 Urlauber einen direkten Arbeitsplatz. Allein ein einziges in Deutschland stationiertes Flugzeug, das zweimal täglich vollausgelastet nach Ägypten fliegt, sichert dort rund 9000 Jobs. Damit ist der Tourismus ein starker Partner der Entwicklungshilfe.

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