EU: Wachstumspotenzial des Tourismus freisetzen

In den kommenden Monaten werden sich das neu gewählte Europäische Parlament sowie die neue Europäische Kommission auf die strategische Ausrichtung der Union für die kommenden Jahre verständigen. Der Tourismussektor sollte dabei besonders im Fokus stehen.

 

Flüge innerhalb Europas werden seit 2012 in den Emissionshandel (ETS) einbezogen. Seitdem wächst der hiesige Luftverkehr ohne zusätzliche CO2-Emissionen. Und für den weltweiten Luftverkehr soll ab 2020 das Klimaschutzinstrument CORSIA greifen: Die gesamte Luftfahrt soll dann CO2-neutral wachsen.

Nachhaltiges Wachstum stärken

Der Tourismus wächst jährlich um rund vier Prozent. Von dieser Entwicklung profitieren die Menschen in den Reiseregionen unmittelbar. Zudem trägt der Tourismus vielerorts dazu bei, dass die Gemeinschaften sorgsamer mit ihrer Umwelt und dem kulturellen Erbe umgehen. Die EU sollte diese Effekte auf Basis einer integrierten Tourismusstrategie forcieren.

Auf der globalen Ebene ist der Klimaschutz das zentrale Nachhaltigkeitsthema. Insgesamt stößt der Luftverkehr unter drei Prozent der globalen CO2-Emissionen aus. Die TUI Group investiert seit Jahren in eine emissionsarme Flotte. Mit Erfolg: TUI Airways und TUI fly zählen mit den Plätzen 1 und 4 im atmosfair Airline Index 2018 zu den emissionseffizientesten Fluggesellschaften weltweit.

Aber die Airlines brauchen auch politische Unterstützung. So sollte die EU erstens das von der UN-Luftfahrtorganisation ICAO beschlossene CO2-Kompensationssystem CORSIA stärken. Es ermöglicht, dass ab 2020 der Luftverkehr weltweit CO2-neutral wächst. Zweitens sind alternative Flugkraftstoffe finanziell zu fördern. Denn Elektromobilität wird im Luftverkehr voraussichtlich noch über viele Jahre keine realistische Option sein. Drittens muss die EU ihre Mitgliedstaaten stärker denn je dazu drängen, endlich ein modernes grenzüberschreitendes Luftraummanagement zu ermöglichen – und so viele Millionen Tonnen CO2 Ausstoß durch effizientere Streckenführungen einzusparen.

Europa mit der Welt verbinden

Der Luftverkehr verbindet Europa mit anderen Teilen der Welt wie kein zweiter Verkehrsträger. Grundlage sind Luftverkehrsabkommen, die die Nationalstaaten untereinander abschließen. In den vergangenen Jahren haben die EU-Mitgliedstaaten Brüssel zunehmend das Mandat erteilt, in ihrem Namen zu verhandeln. Die EU sollte diese Gestaltungsmacht nutzen und weiterhin liberale Abkommen mit anderen Regionen und Staaten abschließen. Im Falle eines Brexit gilt das mit höchster Priorität auch für den engen Nachbarn Großbritannien: Ein zukünftiges Luftverkehrsabkommen sollte offen und liberal ausfallen und rasch in Kraft treten, um das Vereinigte Königreich auch zukünftig im Luftverkehr eng an die EU27 zu binden.

Verbraucherschutz fair gestalten

TUI unterstützt das hohe Verbraucherschutzniveau im Tourismussektor. Zahlreiche Regelungen führen jedoch zu unnötiger Bürokratie, erlauben Missbrauch oder weisen trotz jahrelanger Gesetzgebungsprozesse nach wie vor Unklarheiten auf. Drei Beispiele:

  • EU-Pauschalreiserichtlinie: Trotz langer Verhandlungen zum Inhalt der Richtlinie ist bei sogenannten „Click-through-Buchungen“ weiterhin unklar, ob Verbraucher den vollen Schutz einer Pauschalreise genießen, wenn sie mit den Leistungen unzufrieden sind oder der Anbieter Insolvenz anmeldet. Generell sollte gelten: Traditionelle wie neue Akteure – Veranstalter, Online-Reisebüros, Buchungsplattformen – sollten unabhängig vom Geschäftsmodell den gleichen Regeln unterworfen werden.
  • Fluggastrechteverordnung: Verbraucher sollten bei Verspätungen und Flugausfällen einen angemessenen Anspruch auf Ausgleichszahlungen haben. Gleichzeitig muss aber sichergestellt sein, dass Airlines dadurch keinen unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Schaden erleiden. Hinzu kommt: Die Definition von Umständen höherer Gewalt in der Verordnung ist nach wie vor unklar. Zu beiden Punkten liegt seit 2013 ein Kommissionsvorschlag auf dem Tisch – Umsetzung dringend erforderlich!
  • Sammelklagen: EU-Regeln sollten Verbraucher tatsächlich schützen und Missbrauch durch eine kommerzielle Klageindustrie verhindern. Deshalb sollten profitorientierte Organisationen von Sammelklagen ausgeschlossen werden. Weiteres zentrales Kriterium: Kunden dürfen nur in vollem Wissen und mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung an Sammelklagen beteiligt werden. 

Wachstumsbranche Tourismus

EU-weit hängen knapp 12 Prozent der Arbeitsplätze vom Tourismus ab. In Spanien und Italien liegt der Wert bei 15, in Griechenland sogar bei 26 Prozent. Die Perspektiven sind dank steigender Gästezahlen positiv.