Pünktlichkeit im Luftverkehr: Auch die Politik muss handeln

Millionen Flugreisende waren 2018 von Verspätungen betroffen. Airlines, Flughäfen und Flugsicherung sind gleichermaßen gefordert, ihren Kunden mehr Pünktlichkeit zu bieten. Aber auch die EU-Staaten muüssen handeln: Politisch begruündete Strukturdefizite im europäischen Luftraummanagement sind inakzeptabel.

Die TUI Airlines arbeiten hart daran, Verspätungsrisiken zu minimieren. Drei Beispiele:

  • Reserveflugzeuge: TUI hat nun eine Reservekapazität von 5 Prozent der eigenen Flotte. Zuvor konnten bei Problemen Maschinen ausschließlich angemietet werden.

  • Bodenzeiten: Bei drohenden Verspätungen stellt TUI mehr Mitarbeiter bei Beladung und Reinigung bereit, um wichtige Minuten einzusparen. 

  • Wartung: TUI hat größere Wartungs-Checks, die routinemäßig für den Sommer 2019 geplant waren, bereits in den Wintermonaten durchgefuührt. Das kostet zusätzliches Geld, sichert aber den Betrieb in der Hochsaison.

Flugsicherung effizient gestalten

Die TUI Airlines machen also ihre Hausaufgaben. Gefordert sind aber auch die Partner. So haben sich laut Eurocontrol die flugsicherungsbedingten Verspätungen 2018 gegenüber 2017 nahezu verdoppelt. Zwei Gründe sind dafür wesentlich. Erstens leiden die 61 Flugverkehrszentren in Europa unter Personalmangel. Das gilt insbesondere für den oberen Luftraum Karlsruhe: Europaweit entfielen 2018 etwa 15 Prozent der flugsicherungsbedingten Verspätungen auf diesen Standort. Die Airlinebranche wirbt dringend dafuür, dass die Lotsen in Zeiten angespannter Personalkapazitäten flexibler eingesetzt und bereits verfügbare technische Möglichkeiten genutzt werden.

Zweitens leidet Europas Flugsicherung unter schwerwiegenden Strukturdefiziten. Seit den 1990er Jahren fordern EU und Luftverkehrswirtschaft die EU-Mitgliedstaaten dazu auf, den Weg frei zu machen für eine effiziente, grenzüberschreitende Flugsicherung auf Basis neuster Technologien. Doch nationale Egoismen stehen diesem Single European Sky entgegen. Erzwungene Umwege und Streckenführungen durch ohnehin überfüllte Routen sind die Folge. Das ist auch aus Gründen des Klimaschutzes inakzeptabel: So hat Eurocontrol schon vor Jahren errechnet, dass mit einem effizienten Single European Sky die CO2-Emissionen im europäischen Luftverkehr um rund 10 Prozent reduziert werden können.


Sicherheits- und Grenzkontrollen verantworteten 2018 im deutschen Luftverkehr inklusive Folgeverspätungen 6,7 Prozent der Gesamtverspätungen. Während der Wert gegenüber dem Vorjahr zulegte, sank der Anteil EU-weit auf 3,8 Prozent.

Nadelöhr Passagierkontrollen

Ein weiteres politisches Thema betrifft die Passagierkontrollen. An deutschen Airports sind die Prozesse im europäischen Vergleich deutlich weniger effizient. Der Bund sollte auf modernste Technik und effiziente Prozesse setzen, um lange Wartezeiten und Verspätungen zu vermeiden. Eine neue Pilot-Kontrollstelle mit modernster Handgepäck-Durchleuchtungs-Technologie am Münchner Flughafen setzt hier Maßstäbe.