Armutsbekämpfung: Potenziale des Tourismus für Entwicklung besser freisetzen

Die UN hat sich mit der Agenda 2030 ambitionierte Entwicklungsziele gesetzt. Eine Welt ohne Armut, die mit nachhaltigem Wirtschaftswachstum zu erreichen ist. Der Tourismus kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Die deutsche Politik ist aufgerufen, bestehende Hürden abzubauen.

Neue Perspektiven „vor Ort“ schaffen

Der Tourismus wächst. Auch und gerade in strukturschwachen Weltregionen. So geben Touristen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen jährlich über eine halbe Billion US-Dollar aus. Investitionen der Reisewirtschaft entfalten dort enorme Wirkungen. Allein der Bau des Robinson Clubs auf den Kapverden wird ab Herbst 2019 dauerhaft bis zu 300 Arbeitsplätze schaffen. Damit siedelt TUI dort de facto ein zusätzliches mittelständisches Unternehmen an. Mit engen Verbindungen zur lokalen Wirtschaft, denn Zulieferer sind meist Landwirte und Unternehmen der Region. Mehr als 80 Euro bleiben pro Übernachtung im Land, so eine Studie von PwC und TUI am Beispiel Zyperns. Angesichts wachsender globaler Migrationsströme hat die stabilisierende Wirkung des Tourismus wie in Nordafrika auch für Deutschland und Europa eine wichtige Funktion. Denn wirtschaftliche Perspektivlosigkeit ist neben politischer Unfreiheit eine zentrale Fluchtursache.

Mit rund 400 Milliarden US-Dollar an jährlichen Ausgaben schaffen Touristen den Menschen in Entwicklungsländern Perspektiven – auf Stabilität und Wohlstand. Damit ist die Reisebranche ein starker Partner der Entwicklungshilfe.

Deutsche Politik kann viel mehr tun

Anstatt die Reisebranche als wichtigen Partner bei der Bekämpfung von Armut und Fluchtursachen zu fördern, bittet die Politik jedoch Urlauber und Touristiker weiterhin zur Kasse. Geld, das für zusätzliche Ausgaben und Investitionen in den Zielländern fehlt:

  • Luftverkehrsteuer: Seit 2011 belastet der Fiskus sämtliche Abflüge aus Deutschland mit der Luftverkehrsteuer, in Summe eine Milliarde Euro pro Jahr. Umgerechnet auf einen Arbeitsplatz, der in Ägypten im Tourismus entsteht, beträgt die Steuer rund 350 Euro.
  • Urlaubssteuer: Auch bei den Hotelzimmern hält der deutsche Staat die Hand auf, sogar in Entwicklungsländern. Reiseveranstalter sollen Gewerbesteuer auf gemietete Hotelkontingente zahlen. Auch hier ist es für TUI-Partner im Ausland nicht verständlich, weshalb der deutsche Fiskus durch die sogenannte gewerbesteuerliche Hinzurechnung Übernachtungen im Ausland künstlich verteuert. Einnahmen aus dem Tourismus werden dadurch aus den Destinationen in deutsche Finanzämter gesteuert. Eine vom Gesetzgeber nicht gewollte und der Entwicklungszusammenarbeit nicht förderliche Umverteilung.
  • Luftsicherheitskosten: Die Gebühren für Sicherheitskontrollen an Flughäfen zahlen in Deutschland ausschließlich Kunden und Airlines. In anderen Ländern wie den USA, Spanien und Italien beteiligt sich der Staat an den Kosten beziehungsweise übernimmt sie komplett.

Die Politik ist aufgerufen, das Wachstum in Entwicklungsländern per Tourismus nicht weiter massiv zu belasten. Deutsche Sonderwege bei Luftverkehr- und Urlaubssteuer sowie den Sicherheitskosten müssen enden.

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