Kompetenzzentrum Tourismus: Kirchturmpolitik beenden

Tourismuspolitik ist hierzulande in erster Linie Standortpolitik: Wie können Destinationen zwischen Nordseeküste und Alpen gestärkt werden? Aus dem Blick geraten mitunter übergeordnete Fragestellungen, wie die EU-Pauschalreiserichtlinie gezeigt hat. Das neue Kompetenzzentrum Tourismus des BMWi bietet nun die Gelegenheit, die Chancen des Tourismus besser nutzbar zu machen.

Mehr als nur der Standort Deutschland

In den kommenden Wochen nimmt das vom Bundeswirtschaftsministerium gestartete Kompetenzzentrum Tourismus seine Arbeit auf. Damit soll der Wissenstransfer zwischen Politik, Wirtschaft und den Tourismusverbänden durch konkrete Projekte verbessert werden. Ziel ist es, allen Segmenten der deutschen Tourismuswirtschaft gerecht zu werden. Das bedeutet auch, den Blick über den Tellerrand zu wagen und den grenzüberschreitenden Tourismus zu unterstützen.

Schwerpunkt Auslandstourismus

70 Prozent der Deutschen reisen ins Ausland. Der Outgoing-Tourismus  dominiert den Reisemarkt. Er bietet ungeahnte Chancen in der Entwicklungszusammenarbeit und für den Aufbau von Wohlstand weltweit. Das muss das neue Kompetenzzentrum in seiner Arbeit berücksichtigen.

Insbesondere drei Themenbereiche gehören deshalb auf die Agenda:

  • Entwicklungspolitik: Tourismus ist für viele Länder ein entscheidender Entwicklungsmotor. Allein deutsche Reisende schaffen jedes Jahr wirtschaftliche Impulse von elf Milliarden Euro in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das Kompetenzzentrum sollte Wege aufzeigen, wie der Tourismus noch stärker auf entwicklungspolitische Zielsetzungen einzahlen kann und welche politischen Hürden dafür zu beseitigen sind.
  • Zusammenarbeit mit Destinationen: Aufgrund regulativer Hürden unterbleiben vielerorts Investitionen ausländischer Partner in Hotels, Häfen und Flughäfen. Das neue Forum könnte Strategien erarbeiten, damit Marktzugänge und wichtige Infrastruktur durch die richtigen Rahmenbedingungen flankiert werden.
  • Ausbildung: Fachkräftemangel ist in der Reisebranche weltweit eine zentrale Herausforderung. Das Kompetenzzentrum muss Sprachrohr gegenüber der Politik sein, Ausbildungsstandards einheitlicher zu gestalten und bürokratische Hürden für die investitionsbereiten Reiseunternehmen abzubauen. Die Tourismusindustrie geht voran. So bietet der Robinson Club Agadir in Kooperation mit dem marokkanischen Bildungsministerium in einer eigenen Schule eine duale Berufsausbildung an.

Mit ihren Ausgaben haben 2012 durchschnittlich 15 deutsche Touristen einen Arbeitsplatz in Schwellen- und Entwicklungsländern geschaffen.