EU-Politik: Tourismus in den Fokus rücken

2019 ist ein Schlüsseljahr für Europa: Im Mai stehen die EU-Parlamentswahlen an. Im Anschluss wird es Aufgabe der neuen Kommission sein, Europa gegen wachsende Fliehkräfte zu einen. Der Tourismus kann dabei unterstützen.

Tourismus ist Wachstumsmotor – gerade in schwierigen Zeiten

Die Reisewirtschaft sorgt in besonderer Weise für Beschäftigung und Wohlstand. Das gilt insbesondere für die südlichen EU-Staaten, die von der Finanz- und Wirtschaftskrise hart getroffen wurden. In Portugal, Spanien, Italien und Griechenland liegen die Beschäftigungseffekte der Reisewirtschaft zwischen 15 und 25 Prozent aller Arbeitsplätze – das übertrifft den EU-Durchschnitt deutlich. Ähnliches gilt auch für den Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Der Tourismus gibt damit Antworten auf drängende wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Fragen.

Auch für das vielfach diskutierte Thema der Migration bietet der Tourismus Lösungen, die weit über Grenzsicherung hinausgehen. Menschen jenseits der EU-Grenzen, gerade in Afrika, können sich dank europäischer Urlauber in der Heimat eine Existenz aufbauen – mit Ausbildungs- und Aufstiegschancen. Entwicklungshilfe und Tourismus sind Partner, die vielerorts den wirtschaftlichen Migrationsdruck senken können.


Tourismus bietet vielen Menschen weltweit eine Perspektive. Allein Reisende geben das 3,3-Fache der globalen Entwicklungshilfe aus.

Stellenwert erhöhen

Aus den genannten Gründen sollte der Tourismus in der EU eine noch stärkere Rolle spielen – auch politisch. Das künftige EU-Parlament und die neue Kommission müssen dafür die Prioritäten richtig setzen:

  • Kompetenzen aufwerten: Innerhalb der Kommission genießt der Tourismus derzeit nicht den Stellenwert, der seiner wirtschaftlichen und sozialen Bedeutung angemessenen ist. Wünschenswert wäre eine formale Aufwertung dieses Zukunftsthemas und eine bessere Vernetzung mit und innerhalb relevanter Generaldirektionen.
  • Besser koordinieren: Derzeit ist die Tourismuspolitik oftmals nationales Stückwerk. Eine stärkere Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten in diesem wichtigen Politikfeld kann positive Effekte verstärken – bei der Attraktivität der Destination Europa und um den Tourismus besser mit der Außen-, Entwicklungs- und Kulturpolitik zu verzahnen.
  • In EU-Strukturpolitik berücksichtigen: Ein großer Teil des EU-Haushalts ist für Investitionen in Wachstum und Beschäftigung vorgesehen. Der Tourismus zahlt gerade in ländlichen Regionen der EU auf diese Zielsetzung ein. Das sollte bei der Mittelvergabe berücksichtigt werden.
  • Innovationen fördern: Digitalisierung verändert die Wirtschaft. Bei diesem Umbruch unterstützt die EU viele Unternehmen mit Maßnahmenpaketen wie für die „Industrie 4.0“. Analog dazu sollte es eine europäische Initiative zur Digitalisierung der Touristikbranche geben. So könnten auch kleine und mittlere Unternehmen gestärkt und die Attraktivität der Destination Europa erhöht werden.