Außenpolitik: Tourismus wichtiges Instrument für mehr Stabilität

Ein Gastkommentar von Dr. Rolf Mützenich MdB:

»Die Bedeutung des Tourismus in der internationalen Politik wird zumeist unterschätzt. Auch wenn die Federführung für Tourismuspolitik beim Bundeswirtschaftsministerium liegt, berührt sie als Querschnittsaufgabe den Zuständigkeitsbereich des Auswärtigen Amtes, vor allem im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Durch sie vermittelt die Bundesregierung ein positives Deutschland-Bild im Ausland und wirbt für den Standort Deutschland. Das Auswärtige Amt und die über 200 deutschen Auslandsvertretungen unterstützen deutsche Touristen durch aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise wie als Ansprechpartner für konsularische Nothilfe.

Tourismus als Druckmittel

Tourismus ist auch ein Indikator für die politische Stabilität eines Landes. Die oftmals wirkungsvollsten Druckmittel gegenüber Staaten, die sich nicht an Regeln halten, verhän- gen die Reisenden selbst. Deren Fernbleiben trifft die betroffenen Staaten meist härter als jede Sanktion. Frieden und politische Stabilität sind für prosperierenden Tourismus unabdingbar. Eine Erfahrung, die derzeit auch die Türkei schmerzhaft machen muss.

Während meiner Auslandsreisen wurde mir immer wieder die konkrete Bedeutung des Tourismus für die internationale Politik und Zusammenarbeit vor Augen geführt. Als nahostpolitischer Sprecher meiner Fraktion habe ich in Israel, Tunesien, Marokko, im Libanon, im Iran und in Ägypten unmittelbar erfahren, wie wichtig der persönliche Austausch, die Kenntnis des jeweils anderen Landes und nicht zuletzt der Tourismus als Wirtschaftsfaktor sind. Die Folgen der revolutionären Umbrüche in der arabischen Region haben seit 2011 zu erheblichen Einbußen im Tourismussektor geführt. Deutschland bemüht sich seitdem im Rahmen seiner Transformationspartnerschaften, diese Länder zu unterstützen. 

Tourismus als Türöffner

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat kürzlich eine Neuausrichtung der deutschen Außenpolitik angekündigt, die Asien stärker einbeziehen will. Auch in diesem Prozess kann das Reisen Türöffner sein und den Austausch zwischen Menschen und Kulturen weiter fördern. Der Tourismus kann aber auch Probleme schaffen, wenn die lokale Bevölkerung nicht angemessen an den Einnahmen beteiligt wird oder Ökosysteme zerstört werden. Nicht zuletzt ist und bleibt verantwortungsvolles Verhalten der Urlauber und Respekt vor den Kulturen und Traditionen der Reiseländer besonders wichtig.

Zweifellos haben Anschläge in allen Erdteilen viele Urlauber verunsichert. Umso beachtlicher empfinde ich die anhaltende Offenheit und Neugier vieler Deutscher, andere Länder und Menschen kennenzulernen. Auch dies prägt das Bild Deutschlands.«

Auswärtige Kulturpolitik gestärkt

Die Bundesregierung hat die Mittel für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Schwerpunkte sind Kultur in Krisenzeiten und -regionen, die Stärkung Europas sowie eine intensivierte Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. 

GASTAUTOR

Dr. Rolf Mützenich MdB,

stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion für die Bereiche Außen, Verteidigung und Menschenrechte