EU-Grenzkontrollen: Kommissionsvorschlag nicht praktikabel

Sicherheit im Luftverkehr hat für TUI die höchste Priorität. Das gilt auch für die Kriminalitätsbekämpfung. Die EU-Kommission möchte dafür strengere Grenzkontrollen bei nicht-visumspflichtigen Fluggästen. Umsetzen sollen das die befördernden Fluggesellschaften. Das ist nicht nur bei Verbraucher- und Datenschützern hoch umstritten, sondern stellt auch die betroffenen Airlines und Reiseveranstalter vor erhebliche Probleme.

Unnötigen Aufwand vermeiden

Anstatt ein im internationalen Luftverkehr etabliertes Passagierdatensystem zu übernehmen, plant die EU einen komplizierten und nicht praxistauglichen Sonderweg für den Schengen-Raum.

Registrierungssystem: Vorschlag nicht umsetzbar

Reisefreiheit ist ein hohes Gut. Um sie im Schengen-Raum uneingeschränkt zu erhalten und Sicherheit zu gewährleisten, sind effektive Kontrollen an den EU-Außengrenzen erforderlich, so die Kommission. Aus diesem Grund hat sie im November 2016 einen Vorschlag für das sogenannte European Travel Information and Authorisation System (ETIAS) vorgestellt. Ziel ist es, den Sicherheits- und Einreisestatus nicht-visumspflichtiger Einreisender in den Schengen-Raum vor der Ankunft automatisch zu überprüfen. Dies würde bei der Einreise mit dem Flugzeug durch einen Abgleich unter anderem mit Europol-Daten, der Fingerabdruckdatei EURODAC oder Visa-Informationssystemen geschehen. Der in seinen Zielen zu begrüßende Kommissionsentwurf sieht jedoch in Artikel 39 eine für die Passagiere und die Airlines nicht praktikable Anforderung vor. Denn: Airlines sollen verpflichtet werden, Passagierdaten online vor dem Boarding, also entweder beim Check-in oder direkt am Boarding Gate, individuell zu erfassen und abzugleichen. Das ist fern jeder Reisepraxis an den Flughäfen:

  • Online-Prüfung: Die Check-in-Computer der Fluggesellschaften haben keinen Internetzugang. Aus gutem Grund: Die Airline-Rechner am Check-in oder Boarding Gate sind Teil eines streng geschützten internen Netzwerks.
  • Mobile-Check-in: Viele Gäste checken bereits am eigenen Computer oder mobil für ihren Flug ein.
  • Abfertigungsdauer: Unternehmen tun alles, um den Check-in beziehungsweise den Boarding-Vorgang möglichst schnell und kundenfreundlich zu gestalten. Der Abgleich eines einzelnen Passagiers auf dem von der Kommission angestrebten Weg via Internet würde jedoch voraussichtlich 90 Sekunden in Anspruch nehmen. Für eine mit 300 Gästen besetzte Boeing 787 Dreamliner fielen rund 7,5 Stunden Vorlauf an – weder für Fluggäste noch Airlines akzeptabel.

Bestehende Datenstandards nutzen

Die Lösung für das Problem liegt denkbar nah: Im internationalen Luftverkehr werden Passagierdaten bereits mit dem ICAO- und IATA-akzeptierten verschlüsselten Protokoll iAPI übertragen. Der Vorteil: Es bestehen sichere Schnittstellen zu Datenbanken der Behörden. Die USA und Australien nutzen dies bereits für ETIAS-vergleichbare Systeme: Ein Durchziehen des Reisepasses liefert innerhalb von vier Sekunden die gewünschte Auskunft. Airlines wie die der TUI Group arbeiten erfolgreich nach dieser Methode.

Und den Reisenden bleiben Komfort und Datensouveränität erhalten.