Kreuzfahrtschiffe: Aushängeschild des europäischen Schiffbaus

Tanker oder Containerschiffe „made in Germany“? Lange her. Die Produktion dieser Schiffstypen ist eingebrochen, die verbliebenen Aufträge gehen meist nach Asien. Dass Deutschland dennoch über eine leistungsfähige Werftindustrie verfügt, liegt am Auftragsplus bei Passagierschiffen. Kreuzfahrtschiffe, jedes eine Investition von mehreren Hundert Millionen Euro, sind dabei die Perlen deutscher und europäischer Ingenieurskunst – auch dank der drei erfolgreich wachsenden Kreuzfahrtlinien der TUI Group: Hapag-Lloyd Cruises, Thomson Cruises und TUI Cruises.

Werften im Strukturwandel

Noch vor zehn Jahren standen in den Büchern deutscher Werften Tanker, Container- und Frachtschiffe im Auftragswert von rund sechs Milliarden Euro. Das entsprach einem Anteil von knapp 50 Prozent. Inzwischen ist dieses Segment auf nahezu null gefallen. Der Auftragswert bei Passagierschiffen allerdings ist seitdem von gut sechs auf über 14 Milliarden Euro gestiegen. Der Boom durch Tourismusinvestitionen hat die spezialisierte Schiffbauindustrie und ihre Zulieferer befügelt. Im zweiten Jahr infolge stieg 2016 die Anzahl der Beschäftigten an deutschen Werften an: um 1,9 Prozent auf 15 900 direkt Beschäftigte. Insgesamt sichert die Schiffbauindustrie deutschlandweit rund 92 000 Menschen qualifzierte Arbeitsplätze. 

TUI: Wichtiger Partner der Meyer Werft

Dieser erfolgreiche Strukturwandel wäre ohne Auftragsvergaben heimischer Kreuzfahrtveranstalter undenkbar. Siehe die langjährige Partnerschaft zwischen TUI Cruises und Meyer: Seit 2014 engagiert sich Meyer im finnischen Turku. Gleichzeitig vergab TUI Cruises Bauaufträge für insgesamt vier Kreuzfahrtschiffe im Wert von mehreren Milliarden Euro an die Werft Meyer Turku. Der Bauzeitraum erstreckt sich auf fünf Jahre. Diese Planungssicherheit war entscheidend für das Investment und das Wachstum des Unternehmens aus Papenburg.

Auf Kurs: Schiffstaufe 1. Juni

Die Partnerschaft zwischen Meyer und TUI Cruises ist eine Erfolgsgeschichte im deutschen Kreuzfahrtschiffbau. Sichtbarstes Zeichen: Am 1. Juni wird in Hamburg die neue Mein Schiff 6 getauft. Rund 2 500 Passagiere werden an Bord Platz finden. Wesentliche Highlights des vierten Neubaus von TUI Cruises:

  • Innovationen: Wie das Schwesterschiff Mein Schiff 5 wird die Mein Schiff 6 einen Konzertsaal für knapp 200 Gäste bieten. Modernste Technik ermöglicht ein Klangerlebnis wie in großen Konzerthäusern. Und dank der sogenannten Hologrammbühne können Künstler wie Ute Lemper oder Dieter Hallervorden lebensecht in 3-D-Illusion auf hoher See auftreten. Die Shows wurden exklusiv in Berlin eingespielt. Das Unternehmen „TUI Cruises Program“ ist in der Hauptstadt einer der größten Arbeitgeber in der freien Kulturszene.
  • Emissionsschutz: Die neuesten Schiffe der Flotte verbrauchen 30 Prozent weniger Energie gegenüber Kreuzfahrtschiffen vergleichbarer Größe. Das bewährte Abgasreinigungssystem minimiert zudem die Schiffsemissionen erheblich. Die Schwefelemissionen verringern sich um bis zu 99 Prozent und Stickoxidemissionen um rund 75 Prozent – davon proftieren insbesondere die angesteuerten Häfen.
  • Ressourcenschutz: Die Mein Schiff Flotte verfügt über das innovative Abwassernachbehandlungssystem AWP (Advanced Water Purification), mit dem alle Abwasser weit über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus gereinigt werden. Zudem geht TUI Cruises neue Wege, um Abfälle zu reduzieren. Aktuelles Beispiel: Gemeinsam mit dem Projektpartner United Against Waste e. V. hat TUI Cruises jüngst das Aufkommen an Lebensmittelabfällen an Bord der Mein Schiff 4 analysiert, um Einsparpotenziale auszuloten. Die Schlussfolgerungen werden ab Sommer diesen Jahres in konkrete Maßnahmen auf der Mein Schiff 4 umgesetzt und dann auf die ganze Flotte ausgeweitet.

TUI Cruises unterstreicht: Im Kreuzfahrtsegment ist nachhaltiges Wachstum aus ökonomischer und ökologischer Perspektive machbar. Hinzu kommt, dass die Regionen rund um die angelaufenen Häfen deutlich proftieren. Das gilt insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer.

Übergabe der Mein Schiff 6 mit politischem Rückenwind

Am 6. Mai hat die Turku-Werft die Mein Schiff 6 an TUI Cruises in Anwesenheit mehrerer Mitglieder des Tourismusausschusses übergeben.

Markus Tressel MdB, Wybcke Meier (CEO TUI Cruises), Matthias Lietz MdB, Patrick Schachtebeck (Deutsche Botschaft Helsinki), Barbara Lanzinger MdB, Heike Brehmer MdB, Marc Drögemöller (Senior Manager Public Policy, TUI), Sabine Dittmar MdB, Tanja Knittler (Deutsche Botschaft Helsinki), Stephan Dehé (Leiter Ausschusssekretariat) (v. l.)

Hapag-Lloyd Cruises: Kreuzfahrttradition aus Deutschland

Zum TUI-Konzern gehören neben TUI Cruises die britische Thomson Cruises mit aktuell fünf Schiffen sowie das älteste Kreuzfahrtunternehmen der Welt: Hapag-Lloyd Cruises. Die vier Schiffe von Hapag-Lloyd sind im Luxussegment erfolgreich. Expeditionsfahrten in die Arktis oder den Amazonas – für Ozeanriesen unzugänglich – gehören ebenso dazu wie exklusive Auftritte herausragender Künstler. So gastiert Circus Roncalli als erster europäischer Zirkus auf zwei Sommerreisen der MS Europa 2. Im Jahr 2019 wird Hapag-Lloyd Cruises zwei neue Expeditionsschiffe in Dienst stellen – gebaut und ausgerüstet in Europa.

Kreuzfahrtschiffe sichern Tausende Arbeitsplätze

Meinhard Geiken
Bezirksleiter der IG Metall Küste:

»Der Bau von Kreuzfahrtschiffen ist ein wichtiges Standbein für die deutschen Werften. Etwa die Hälfte des gesamten Auftragsvolumens steht in den Büchern der Meyer Werft und der MV Werften. Sie sichern dadurch mehr als 5 500 Arbeitsplätze. Hinzu kommen mehrere Tausend Beschäftigte bei Zulieferern. Die Werften sind wichtige industrielle Kerne in Norddeutschland. Von der Politik erwarten wir Unterstützung:

Die Beschäftigten müssen bei der Digitalisierung im Mittelpunkt stehen. Die Absicherung der Finanzierungen und die Förderung von Innovationen und umweltfreundlichen Technologien sind weitere Aufgaben.« 

Schlüsselkunden wie TUI Cruises schaffen Wachstum

Jan Meyer,
CEO von Meyer Turku:

»Die Aufträge von TUI Cruises waren der Schlüssel zum erfolgreichen Neustart der Werft in Turku. Die enge Zusammenarbeit der Meyer Werft, Meyer Turku und der Neptun Werft stärkt alle Werften technologisch und ermöglicht uns einen wichtigen Wachstumsschritt. Die Größe und Flexibilität für unsere Kunden ist im weltweiten Wettbewerb inzwischen ein zentraler Faktor. Wir bieten TUI Cruises modernste Technologie – gleichzeitig profitieren wir von der Expertise der Reederei.«