UN-Organisation ICAO: Klima-Einigung möglich

Vom 27. September bis zum 7. Oktober tagt die ICAO-Vollversammlung in Montreal. Weit oben auf der Agenda steht der Klimaschutz. Abgestimmt wird über ein globales Programm, das alle weltweiten Verursacher in die Pflicht nimmt. Ein Gastkommentar von Prof. Dr. Robert Sausen, DLR:


»Bei den Pariser Klimaverhandlungen Ende 2015 haben sich die Staaten geeinigt, die globale Erwärmung auf 2 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Damit der Luftverkehr seinen Beitrag zu diesem allgemein formulierten Ziel leisten kann, soll und will die UN-Luftfahrtorganisation ICAO auf ihrer Vollversammlung konkrete Maßnahmen beschließen. Das ausgegebene Ziel lautet, die CO2-Emissionen ab 2020 auf dem dann erreichten Niveau konstant zu halten, ohne dabei das Wachstum des Luftverkehrs von derzeit jährlich 5 Prozent einzuschränken.

ICAO setzt auf Offsetting

Seit Jahren wird intensiv darüber debattiert, welche Instrumente dazu am besten geeignet sind. In einer vom Bundesforschungsministerium finanzierten Studie hat das DLR verschiedene Maßnahmen geprüft. Ergebnis: Emissionshandel, ein marktbasierter Mechanismus, ist im Luftverkehr am besten geeignet, bei relativ geringen Kosten Klimaschutz,Wirtschaftswachstum und Reisefreiheit zu sichern. Daher ist der Kern des ICAO-Vorschlags, die Kompensation der Emissionen des Luftverkehrs durch marktbasierte Mechanismen, zu begrü.en. Die ICAO legt dabei den Schwerpunkt auf ein dem Emissionshandel ähnliches Offsetting-System. Bei diesem Ansatz werden Emissionen des Luftverkehrs zum Beispiel durch Reduktionen in anderen Sektoren oder durch Aufforsten in einer bestimmten Region ausgeglichen.

Wichtiger erster Schritt

Gleichwohl ist dieser Ansatz nicht perfekt. Erstens hängt die Wirksamkeit des Offsetting-Mechanismus entscheidend von der Qualität der Emissionsgutschriften ab. Hier muss die ICAO robuste Kriterien entwickeln, damit auch tatsächlich die angepeilte CO2-Menge kompensiert wird. Zweitens werden klimarelevante Faktoren neben dem CO2 wie NOx-Emissionen oder Kondensstreifen nicht berücksichtigt. Sie können jedoch durch geringe Anpassungen der Flughöhe und Flugroute je nach Wetter und geografischem Ort enorm verringert werden. Hier sind Airlines weiter gefordert. Und drittens reicht langfristig das Ziel konstanter Emissionen nicht aus: Wegen seiner langen Lebensdauer wird sich das CO2 aus dem Luftverkehr weiter in der Atmosphäre anreichern und die Konzentration steigern. Der internationale Airline-Verband IATA hat sich bereits dazu verpflichtet, bis 2050 die CO2-Emissionen gegenüber 2005 um 50 Prozent zu reduzieren.

Auch wenn Verbesserungen möglich sind, ist der Offsetting-Mechanismus ein guter Ansatz, um Klimaschutz im weltweiten Luftverkehr zu verankern.«

Neuer Effizienzrekord

 

Wichtiger Baustein für den Klimaschutz im Luftverkehr ist die Energieeffizienz. Die deutschen Fluggesellschaften verbrauchten 2015 3,63 Liter pro Person und 100 Kilometer – das sind 42 Prozent weniger als noch 1990. Die TUI-Airlines liegen mit 2,62 Litern noch einmal 28 Prozent darunter.

 

Prof. Dr. Robert Sausen

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Physik der Atmosphäre