Klima: Mehr individuelle Anreize für weniger CO2

Seit 2010 diskutiert die UN-Luftfahrtorganisation ICAO darüber, ein weltweit gültiges Klimaschutzinstrument ins Leben zu rufen. Auf der anstehenden ICAO-Versammlung soll Anfang Oktober eine Einigung erzielt werden. Die TUI Group unterstützt dieses wichtige Vorhaben ausdrücklich. Allerdings: Der vorliegende Entwurf schafft noch zu wenige Anreize für die Airlines, ihre individuellen CO2-Emissionen zu reduzieren. 

Der weltweite Luftverkehr soll in das globale Carbon Offsetting and Reduction Schemes for International Airlines (CORSIA) einbezogen werden. CORSIA soll die global steigenden Mobilitätsbedürfnisse einerseits und die ökologische Verantwortung der Wirtschaft andererseits zum Ausgleich bringen. Der Mechanismus lautet, etwaige Mehremissionen beispielsweise im Rahmen von Klimaschutzprojekten zu kompensieren. Damit wird auch eine wesentliche Forderung der EU erfüllt. 

Individuelle Bemessung der Emissionen wäre der richtige Weg

Bis hierin besteht Einigkeit. Die noch offene Schlüsselfrage lautet allerdings, wann die Fluggesellschaften tatsächlich für ihre Mehremissionen individuell einstehen müssen. Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass zusätzliche Emissionen zunächst branchenweit erhoben und auch branchenweit kompensiert werden – die Welt-Airline-Gemeinschaft steht also dafür gerade, wenn einzelne Fluggesellschaften überproportional wachsen oder aber alte und emissionsintensive Flugzeuge weiter gen Himmel geschickt werden.

Für diese Vergemeinschaftung der CO2-Emissionen spricht, dass damit Komplexität reduziert wird und das Klimaschutzinstrument in einem ersten Schritt effizient eingeführt werden kann. Aber aus Sicht der TUI Group wäre es auch notwendig, bald eine individuelle Bemessung der Airline-Emissionen in das System zu ergänzen. Erst ab dem Jahr 2035 sollen die Mehremissionen zu 100 Prozent individuell kompensiert werden. Die Nachteile liegen auf der Hand:

• Investitionsanreize fehlen: Das Klimaschutzinstrument muss betriebswirtschaftliche Anreize bieten, um bereits heute in neueste und emissionsarme Flugzeuge und Triebwerke zu investieren – nicht erst ab 2035. Wer weniger emittiert, sollte davon auch einen finanziellen Vorteil haben – mit der branchenweiten Berechnungsgrundlage entfällt dieser wichtige Anreiz.

• Fehlsteuerung vorprogrammiert: Ausgerechnet die besonders schnell wachsenden Airlines und die Unternehmen, die nicht oder spät in neue Technik oder Fluggeräte investieren, profitieren von dieser Regelung. Diese offensichtliche Fehlsteuerung kann politisch nicht gewünscht sein. 

Die ICAO muss ihre historische Chance nutzen, regionale und stark wettbewerbsverzerrende Initiativen in ein faires und weltweit gültiges Klimaschutzsystem zu überführen. Die TUI Group setzt allerdings auf mehr Ehrgeiz, um CO2-Emissionen aktiv zu reduzieren. Unerlässlich dafür ist, die CO2-Kompensationen deutlich früher und stärker an den individuellen Emissionen der Fluggesellschaft auszurichten. 

Klimaeffizienteste Airline-Flotte Europas

 

Die CO2-Emissionen der TUI-Fluggesellschaften lagen mit 66,0 Gramm je Passagierkilometer um 30 Prozent unter dem Branchenschnitt in Europa. Die jährlichen Reduktionsziele der IATA wurden im vergangenen Geschäftsjahr erneut deutlich übertroffen.