Vietnam: Tourismus nachhaltig gestalten

Vietnam will seinen Tourismussektor stärken. Deutschland und die EU unterstützen das Land, dafür nachhaltige Konzepte zu entwickeln. Ein Gastkommentar von Jürgen Klimke, MdB:


"Wie ein langgezogenes S zieht sich Vietnam über eine Länge von 1 600 Kilometern von den nördlichen Bergen bis hinunter in das tropische Mekongdelta im Süden. Mich selbst fasziniert das Land während meinen Besuchen immer wieder. Seine beeindruckende Natur und seine ureigene Kultur versetzen mich immer wieder in Erstaunen. Nach zwei schwierigen Jahren steigen die Touristenzahlen wieder deutlich an. Meine dortigen Gesprächspartner aus Politik und Zivilgesellschaft begrüßen die Entwicklung einhellig.

Das Land in Südostasien hat längst sein Image als Destination für Vietnamkriegsveteranen abgestreift und bietet mit zahlreichen Hotspots vom Bergland im Norden bis zum üppigen Regenwald im Süden zahlreiche landschaftliche und kulturelle Höhepunkte. Im ersten Halbjahr 2016 besuchten 4,7 Millionen internationale Touristen das Land. Gegenüber dem Vorjahr ein Plus von rund 20 Prozent. Dieses Wachstum muss allerdings relativiert werden. Erstens hat Vietnam 2014 und 2015 stagnierende und sogar rückläufige Touristenzahlen verbucht. Zweitens sind die internationalen Gäste gemessen an der Größe und Einwohnerzahl des Landes nach wie vor überschaubar. So rangiert Vietnam unter den nordost- und südostasiatischen Ländern als Tourismusziel auf Rang elf.

Erklärtes Ziel der vietnamesischen Regierung ist es deshalb, den Tourismussektor weiter zu stärken. Immerhin gehen damit steigende Arbeitsplatzzahlen und mehr Wohlstand einher. Gerade in den touristisch erschlossenen Gebieten wie Hanoi oder auf der Insel Phú Quoc ist es für mich toll zu sehen, wie junge Menschen in der Hotellerie, im Einzelhandel und in Handwerksbetrieben Chancen erhalten. Ohne Touristen aus aller Welt wäre das nicht denkbar.

 

TUI Nordic entwickelt seit 2014 die tropische Insel Phú Quoc als neue touristische Destination – zunächst für den skandinavischen Markt – und bietet als einziger europäischer Reiseveranstalter Direktflüge zum neuen Flughafen an. 

Ich freue mich sehr darüber, dass deutsche und europäische Politik zu dieser Entwicklung beitragen dürfen. Wir haben mit Vietnam auf Augenhöhe erfolgreiche Tourismuskonzepte entwickelt. Sie legen nicht nur einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von Qualitätsprodukten, die die Vorzüge der Tourismusziele Vietnams zur Geltung bringen, sondern berücksichtigen auch soziale und Umweltauswirkungen. Mit Unterstützung der Europäischen Union wurden unter anderem landesweit mehrere Tausend Menschen zu verantwortungsvollem Tourismus geschult.

Zahl der Menschen in Armut halbiert

Die vietnamesische Regierung hat in Sachen Armutsbekämpfung eine Vorbildfunktion für die Region inne. Seit 1996 hat sich der Anteil der Menschen, die unterhalb der nati- onalen Armutsgrenze leben, halbiert. Neue Arbeitsplätze und eine zunehmend diversifizierte Wirtschaftsstruktur – der Tourismus spielt hierbei eine wichtige Rolle – sind dafür die Grundlage. Jetzt steht eine weitere Privatisierungswelle staatlicher Betriebe an, die mit ausländischem Kapital und Know-how modernisiert werden. Vietnam hat nicht nur eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, sondern bietet auch ein großes Potenzial für Investitionen in die Tourismusindustrie." 

 

Jürgen Klimke, MdB (CDU/CSU) ist Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages. Dort ist er für nachhaltigen Tourismus und regional für Südostasien zuständig.