Britische Touristen: Wichtiger Wirtschaftsfaktor für EU

Fünf von sechs Auslandsurlauben führen die Briten in EU-Länder. In Spanien oder Portugal stammt fast jeder vierte Urlauber aus dem Vereinigten Königreich. In den Destinationen ist das ein großer wirtschaftlicher Faktor. Der Brexit verunsichert diese Länder deutlich: Gerade der touristische Luftverkehr braucht zwingend Kontinuität und Planungssicherheit, die aktuell bedroht sind.

Tourismus mit großer Bedeutung für EU-

Der Tourismus ist nach dem Handel und dem Baugewerbe die drittgrößte Branche in der EU. Inklusive der Effekte auf tourismusnahe Sektoren ist die Reiseindustrie für zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts und zwölf Prozent der Beschäftigung verantwortlich. Einen wichtigen Beitrag leisten die Briten: Ihre Nachfrage sorgt für mehr als ein Fünftel der Auslandsübernachtungen in der EU. Von den Gesamtausgaben britischer Urlauber in Höhe von 58 Milliarden Euro profitieren insbesondere südliche EU-Staaten. Tourismusinvestitionen schaffen dort Perspektiven, verringern die Jugendarbeitslosigkeit und tragen wesentlich zum Wachstum bei.

Die positiven Effekte des Tourismus könnte der Brexit nun deutlich dämpfen. Wenn keine Nachfolgeregelungen für die Luftverkehrsabkommen der EU gefunden werden, könnten wichtige Flugverbindungen leiden. Dies träfe vor allem britische Urlauber und ihre Gastgeber in der EU. Ein durch den Brexit verursachter Rückgang des Luftverkehrs könnte laut einer Studie dazu führen, dass das gesamte EU-Bruttoinlandsprodukt um bis zu 210 Milliarden Euro sinkt – in Großbritannien läge das Minus bei 3,1 Prozent, in der verbleibenden EU (EU27) bei 0,8 Prozent. Aufgrund von zurückgehendem Handel, Investitionen und Tourismus wären möglicherweise bis zu 1,3 Millionen Arbeitsplätze in Großbritannien und bis zu 1,8 Millionen Jobs in der EU27 bedroht.

Beschäftigung durch Tourismus


Tourismus ist insbesondere in den südlichen EU-Staaten ein Jobmotor.

Mobilität sicherstellen

Um den europäischen Flugbetrieb und die Mobilität der Bürger auch weiterhin in ausreichendem Maße sicherzustellen, sollten die Verhandlungspartner zügig eine Reihe offener Fragen klären. Folgende Punkte zum künftigen Flugverkehr zwischen Großbritannien und der EU27 sind zentral:

  • Verkehrsrechte: Der Binnenmarkt für den Luftverkehr erlaubt es allen teilhabenden Airlines, Flugrechte innerhalb der EU uneingeschränkt in Anspruch zu nehmen. Rechtzeitig vor einem Brexit muss geklärt werden, wie Flüge von und nach Großbritannien zukünftig behandelt werden. Eine adäquate Teilhabe am EU-Luftverkehrsbinnenmarkt ist im Interesse beider Verhandlungspartner sowie der Kunden und Unternehmen.
  • Flugsicherheit: Hohe EU-Standards garantieren in der Luftfahrt Sicherheit. Großbritannien bringt sich mit viel Expertise in der Europäischen Agentur für Flugsicherheit ein. Diese Zusammenarbeit sollte bei einem Brexit in angemessener Form fortgeführt werden, etwa durch eine wechselseitige Anerkennung von Standards und Zertifizierungen.
  • Planungs- und Rechtssicherheit: Flugrouten werden lange im Voraus geplant. Im Tourismus ist mehr als ein Jahr Vorlauf nötig. Die Verhandlungspartner sind deshalb aufgerufen, zeitnah die nötigen Vereinbarungen im Luftverkehr zu treffen, um die erforderliche Planungs- und Rechtssicherheit herzustellen.