Luftverkehr: Rahmen für Klimaschutz schaffen

Die Welt ist in Unordnung und der Nationalismus vielerorts im Aufwind. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen ein Verständnis für andere Kulturen entwickeln. Gleichzeitig zählt der Klimaschutz zu einer unserer größten Herausforderungen. Es kommt also darauf an, Flugreisen und Weltoffenheit mit Klimaschutz zu verbinden. Mitte August haben sich Politik und Industrie bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig auf eine entsprechende Agenda verständigt – Rückenwind gab es auch Anfang Oktober durch die UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Diese politischen Flankierungen zum CO2-neutralen Fliegen sind notwendig:

  • Regenerative Kraftstoffe fördern: Der Luftverkehr setzt insbesondere auf ökologisch wertvollen Power-to-Liquid-Kraftstoff (PtL), bei dessen Produktion der Atmosphäre CO2 entzogen wird. Allerdings wäre der Kraftstoff unter heutigen Bedingungen etwa fünfmal so teuer wie fossiles Kerosin. Zudem fehlt es an großindustriellen Produktionsanlagen. EU, Bund und Länder müssen – wie in Leipzig erklärt – dringend weitere PtL-Initiativen auf den Weg bringen. Auch die ICAO spricht sich klar für regenerative Kraftstoffe aus.

  • Flugsicherung modernisieren: Digitale Innovationen bei der Flugsicherung und kürzeste Streckenführungen können den Kerosinbedarf auf EU-Strecken um bis zu zehn Prozent senken. Dafür muss die Politik endlich den Regulierungsrahmen des Einheitlichen Europäischen Luftraumes überarbeiten. Die Bundesregierung will das während ihrer EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 vorantreiben.

  • Weltweit CO2-neutral wachsen: Seit 2012 ist der EU-Luftverkehr neben der Energiewirtschaft und der verarbeitenden Industrie Bestandteil des Emissionshandels. Diese drei Sektoren werden ihre CO2-Emissionen bis 2030 gegenüber 2005 um 43 Prozent senken – garantiert. Zudem greift bei weltweiten Flügen ab 2021 das umfassende Kompensationssystem CORSIA. Der Luftverkehr zwischen den 80 teilnehmenden Staaten wird dann CO2-neutral wachsen, das hat die große Mehrheit der ICAO-Staaten jüngst bestätigt. Um Doppelbelastungen zu vermeiden, müssen die Europäische Union und ihre Mitglieder den EU-Emissionshandel und CORSIA nun aufeinander abstimmen.


Auf den Luftverkehr entfallen 2,8 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Trotz deutlich steigender Passagierzahlen stagniert der Anteil seit Jahren, was den deutlichen Effizienzgewinnen und Technologiesprüngen zu verdanken ist. So ist der durchschnittliche Verbrauch der deutschen Flugzeugflotten seit 1990 um 44 Prozent gesunken.

Auf Initiative der EU wollen die 193 ICAO-Staaten ein zusätzliches, langfristiges Klimaschutzziel erarbeiten. Die TUI Group unterstützt dieses Vorgehen vorbehaltlos, da Klimaschutz eine globale Aufgabe ist. Nationale Alleingänge führen hingegen zu Flugverlagerungen ins Ausland und schaden dem Klima oftmals mehr, als sie ihm nützen. Das trifft auch für die Luftverkehrsteuer zu. Nach Beschluss des Bundeskabinetts sollen die Steuersätze um bis zu 76 Prozent angehoben werden, obwohl die Luftverkehrsteuer Airlines und Reisende heute schon erheblich belastet. Die Kosten sollen je nach Entfernung zwischen 13,03 Euro und 59,43 Euro pro Passagier liegen. Zum Vergleich: Die in Frankreich angekündigte Ökosteuer beträgt zwischen 1,50 Euro und 18 Euro.