EU-Verdrossenheit: Jugendprojekt Europa Verstehen steuert gegen

Aktuelle Herausforderungen wie Finanzkrisen und zunehmende Flüchtlingszahlen erfordern gemeinsame europäische Antworten. Doch beim Thema EU zucken viele Jugendliche und Erstwähler nur mit den Schultern. Nicht mal jeder Zweite ging 2014 zur Europawahl.

Ende August hat die TUI Stiftung zusammen mit der Schwarzkopf-Stiftung in Hamburg das Projekt Europa Verstehen gestartet. In den Kompakt-Kursen diskutieren Schüler allgemeinbildender Schulen und Berufsschulen einen halben Tag lang über die EU. Ziel ist es, grundlegende europapolitische Kenntnisse zu vermitteln und Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Geleitet werden die Kurse von jungen/studentischen Trainern, die vor allem ihre Begeisterung für Europa weitergeben wollen.

Ein kurzes Gespräch mit Chris Drews. Der 26-jährige Jura-Referendar ist seit zwei Jahren Trainer von Europa Verstehen und startet demnächst mit Unterstützung der TUI Stiftung für das Projekt in Hamburg:

Was sind die häufigsten Vorurteile, mit denen junge Leute in den Kompakt-Kurs kommen?

„Die Schüler haben gar nicht so viele Vorurteile gegenüber der EU. Das Problem ist vielmehr, dass die Schüler schlicht kein Interesse an der EU haben und von dem komplexen Thema überfordert sind.“

Aber wie kann man das Interesse wecken?

„Wir Trainer zeigen den Schülern, was die EU mit ihnen zu tun hat. Und zwar konkret. Da geht es erstens um Möglichkeiten wie Erasmus+. Die wenigsten wissen, dass das Programm nicht nur Studenten Auslandsaufenthalte kofinanziert, sondern auch von ihnen, den Schülern und Azubis wahrgenommen werden kann. Und zweitens verdeutlichen wir, wie politische Entscheidungen den Alltag maßgeblich beeinflussen. Und das macht dann Spaß zu merken, wie bei den Schülern der Groschen fällt. Die machen dann auch bei schwierigen Themen wie dem Gesetzgebungsprozess plötzlich mit.“

Wenn Sie sich was wünschen könnten, um das Interesse von Jugendlichen an der EU zu steigern, was wäre das?

„Mit einem Wunsch ... so einfach geht das bestimmt nicht. Politik ist kompliziert. Und es liegt an der Zivilgesellschaft, sich damit auseinanderzusetzen. Dass sich zum Beispiel Stiftungen hier einbringen, ist mit Sicherheit sehr wichtig. Das kann gerne wachsen. Und dann sind noch die Medien gefordert, verständlicher und vorurteilsfrei zu berichten. Aber das ist auch leichter gesagt als getan.“

Im Gespräch mit neuen Trainern

 

„Die Zukunft Europas liegt in den Händen der jungen Generation. Das Projekt ,Europa Verstehen‘ bietet die Chance, die Begeisterung der jungen Menschen für ein gemeinsames Europa zu stärken.“

Thomas Ellerbeck, Vorsitzender des Kuratoriums der TUI Stiftung