Gastbeitrag: Dubrovniks Bürgermeister spricht Tacheles

"2017 hatten wir in Dubrovnik genug! An manchen Tagen waren 12 000 Gäste gleichzeitig in der Altstadt. Die Stadt war voller Tagestouristen, Autos und Busse, ein halbes Dutzend Kreuzfahrtschiffe lag im Hafen. Niemand war damit zufrieden – nicht die Einheimischen, nicht die Gäste. Mir wurde klar: Der Tourismus und insbesondere das Kreuzfahrtsegment muss nachhaltiger werden. Auch, weil unsere Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt. Vier von fünf Einwohnern leben davon. So geben beispielsweise die Kreuzfahrtgäste pro Tag 58 Euro in Dubrovniks Restaurants, Souvenirshops und Museen aus.

"Wenn die Einheimischen zufrieden sind, sind es die Gäste umso mehr."

Mato Franković, seit Juni 2017 Bürgermeister der Stadt Dubrovnik

Kommune ist handlungsfähig

Die Zauberformel bei Kreuzfahrtschiffen: die Ankünfte besser managen. Bis zu sieben Schiffe gleichzeitig zu begrüßen, überfordert unsere kleine Altstadt. Untersuchungen haben gezeigt, dass zwei Schiffe gleichzeitig das ideale Szenario sind. Zwei am Morgen, zwei am Nachmittag. Das ist unser Ziel. Und wir sind auf Kurs: 2018 lagen in 70 Prozent der Fälle höchstens zwei Kreuzfahrtschiffe parallel am Kai. Damit war die Situation schon deutlich entspannter. Im vergangenen Jahr haben wir einen Wert von 90 Prozent erreicht, und 2021 werden wir zu keinem Zeitpunkt mehr als zwei Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig im Hafen sehen. Darüber hinaus haben wir zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um Tagesgäste zu steuern, die nicht mit dem Schiff kommen – von einer Park-App über eine KI-basierte Besucherprognose bis zu einem Ticketsystem für Tagesbesucher der Altstadt ab 2020.

Wichtige Allianz mit der Kreuzfahrtindustrie

Diese positive Entwicklung hat viel mit gegenseitigem Verständnis zu tun. So haben wir den Kreuzfahrtgesellschaften 2017 Videoszenen aus der überfüllten Altstadt gezeigt, als Gäste beispielsweise mehr als eine Stunde vor Museen anstehen mussten. Damit kann niemand zufrieden sein. Deshalb haben wir uns an einen Tisch gesetzt und diskutiert. Der Dialog mündete Ende Juli 2019 in einer umfassenden Vereinbarung zwischen Dubrovnik und der globalen Kreuzfahrtorganisation CLIA. Sie beinhaltet unter anderem eine Informationskampagne unter dem Titel „Respect the City”, die Kommunikation der Anlegerichtlinie 2020 und die gemeinsame Entwicklung eines Destinationsmanagementplans.

Ich glaube, dass wir ein Vorbild für andere Destinationen sein können. Mein wichtigster Rat an Bürgermeisterkollegen: Suchen Sie den direkten Dialog mit den Reedereien. Nachhaltige Lösungen zu finden, ist das Beste für alle. Für die Einheimischen, die Touristen und die Kreuzfahrtunternehmen."