Hotspots: Keine Angst vor Kreuzfahrtpassagieren

Der Tourismus zählt in Europa zu den wichtigsten Wachstumssektoren. Er gibt weitaus mehr Menschen Arbeit als beispielsweise der Automobilbau und bietet auch abseits der Industrieregionen Einkommen und Wohlstand. In einzelnen Städten und Quartieren wird nun diskutiert, wie das Wachstum besser gesteuert werden kann – das gilt auch für Passagiere von Kreuzfahrtschiffen. 

Wenn Kreuzfahrtschiffe in Häfen einlaufen, überraschen ihre Dimensionen. Allerdings: Kreuzfahrtpassagiere lassen sich für die Städte ungleich leichter steuern als Tagestouristen, die per Pkw, Bus oder Bahn individuell anreisen.

Kreuzfahrttourismus ist gut zu steuern

Kreuzfahrtgesellschaften planen ihre Routen frühzeitig und fragen bei den Häfen etwa zwei Jahre im Voraus Liegeplätze an. Hafengesellschaften – zu deren Eignern die öffentliche Hand in der Regel zählt – können somit bestimmen, wie viele Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig einlaufen. Wo das Wachstum der Seeschiffsreisen die Kommunen strapaziert, können sich Politiker, Hafenbetreiber und Gewerbe, Kreuzfahrtgesellschaften und die Zivilgesellschaft auf Obergrenzen verständigen und diese effektiv durchsetzen. Dubrovnik ist hierfür ein positives Beispiel. Solche Maßnahmen sind allerdings nur sinnvoll, wenn Kreuzfahrtreisende tatsächlich einen relevanten Anteil der Touristen ausmachen – was selten der Fall ist.

Neue Ziele entwickeln

In den allermeisten Fällen kommt es darauf an, die Ankünfte der Kreuzfahrtpassagiere gut zu planen. Individualisierte Tagesausflüge lautet hier ein Stichwort: Zunehmend entwickeln Kreuzfahrtgesellschaften entsprechende Angebote selbst oder arbeiten dafür mit lokalen Anbietern zusammen, um ihren Gästen möglichst vielfältige Eindrücke zu vermitteln. Es geht aber auch um die Frage, wie die Kommunen Landgänge abseits stark nachgefragter Sehenswürdigkeiten attraktiver machen und bewerben.

Hapag-Lloyd Cruises fährt neben populären Häfen auch gezielt kleinere Städte an, die von großen Schiffen gar nicht angelaufen werden können. So steuert die EUROPA 2 auf der Route Hamburg–Dublin das große Southampton an, aber auch die Geheimtipps Fishguard in Wales und das irische Cobh. Positiver Nebeneffekt: Neue Ziele und Quartiere werden touristisch entwickelt, Gastronomen und Einzelhändlern abseits der klassischen Routen eröffnen sich neue Einkommensmöglichkeiten.

Kreuzfahrttourismus ist damit besser zu lenken, als vielfach angenommen. Zugleich müssen für die Passagiere keine Hotelkapazitäten erweitert, Ferienanlagen erschlossen oder Autobahnen ausgebaut werden. Dieser begrenzte Ressourceneinsatz ist der Grund, weshalb Hafenstädte Kreuzfahrtschiffe gerne willkommen heißen.


Wie viele Touristen „verträgt“ eine Stadt? Ein prominenter Ort, an dem darüber diskutiert wird, ist Barcelona. Die Stadt verfügt über eine intensive Kreuzfahrtinfrastruktur – gleichwohl machen die Schiffsreisenden nur einen Bruchteil der Besucher aus.