25
Mär
Dr. Marc Drögemöller

Ein Club als Wirtschaftsmotor

Spanien eilt von Rekord zu Rekord. 68 Millionen Besucher aus aller Welt haben das Land im vergangenen Jahr bereist, der Großteil kam aus Deutschland, England und Frankreich. Spanien ist der maximale Gewinner einer Entwicklung, zu der die Ereignisse in Tunesien, Ägypten und der Türkei beigetragen haben. Das Sicherheitsgefühl der Menschen ist das eine. Aus deutscher Sicht kommen mit der guten wirtschaftlichen Lage im eigenen Land, der geringen Arbeitslosenquote und dem günstigen Ölpreis drei wichtige Push-Faktoren für das Reisen hinzu – und die führen häufig in das vertraute Urlaubsland im Süden Europas.

Umgekehrt profitiert das Königreich von den Besucherströmen. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr wieder stärker gewachsen. Mit einem Anteil von 15,7 Prozent am BIP trägt der Tourismus enorm zum Wirtschaftswachstum bei, in Deutschland war es ein Anteil von 8,9 Prozent (2014). Welchen Wohlstand die Branche bringt, zeigt sich auch und gerade auf den Kanaren. Im Robinson Club Esquinzo Playa im Süden Fuerteventuras ist dieser Tage kaum mehr ein Bett frei. 300 Mitarbeiter, 200 von ihnen sind Einheimische, kümmern sich um das Wohl der über 1000 Gäste. „In Spanien haben wir einen Wildwuchs in der Ausbildung“, sagt Clubdirektor Andreas Wittmann und spielt darauf an, dass die duale Ausbildungsform aus schulischem und praktischem Anteil für einen spezifischen Beruf hier weniger bekannt ist. Junge Spanier erhalten daher nach ihrem Schulabschluss die Chance, in der Anlage einen Beruf zu erlernen. Ob Koch, Elektriker oder Hotelfach – die Palette ist breit und die Nachfrage groß. Der Club agiert wie ein kleines mittelständisches Unternehmen innerhalb der Robinson-Gruppe, das Wittmann führt und vielen Familien eine berufliche Perspektive bietet. Mit eigener Bäckerei und Wäscherei werden viele Dienste und Aufgaben in Eigenregie erledigt. Auf der Insel hängt alles mit dem Tourismus zusammen, ob es sich um die Baubranche, den Einzelhandel oder Zulieferdienste handelt. Robinson legt großen Wert auf die Verwendung regionaler Produkte. „Was die Insel hergibt, verwenden wir auch oder entwickeln es weiter“, erklärt Wittmann und denkt insbesondere an Obst und Gemüse. Fast alle anderen Produkte kommen vom spanischen Festland, die über Großhändler bzw. den Hafen in Cadiz angeliefert werden.

Klar ist auch, dass dieses Wachstum möglichst nachhaltig erfolgen muss. 257 Kollektoren auf dem Dach des Hauptrestaurants mit einer Fläche von 670 Quadratmetern liefern warmes Wasser für den gesamten Club. Dadurch lassen sich jährlich 80.000 Liter Heizöl und mit jedem Liter 2,8 Kilogramm an CO2-Emissionen einsparen. Monatlich werden 15.000 Kubikmeter Wasser verbraucht, das von einer der 300 Meerwasserentsalzungsanlagen auf der Insel stammt. Das Abwasser wird wiederaufbereitet und zur Bewässerung der Gartenanlage genutzt. Um das Poolwasser zu chlorieren, lässt sich das Meersalz der Entsalzungsanlage verwenden. Und bei der Stromversorgung mit 250.000 KWh pro Monat hilft der Windpark Costa Calma einige Kilometer weiter nördlich.

Robinson ist ein Erfolgsmodell – nicht nur auf Fuerteventura.

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