22
Nov
Dr. Marc Drögemöller

Zur Bedeutung der Barrierefreiheit auf Teneriffa

Die Schilder sind nicht zu übersehen. „Playa Accesible – Accessible Beach“ steht auf großen Hinweistafeln geschrieben, die den Weg an den Strand zeigen – für eine Personengruppe, die auf barrierefreie Zugänge angewiesen ist. In Los Cristianos im Süden der kanarischen Insel Teneriffa sind Menschen mit einer Behinderung besonders willkommen. Eine gelungene Informationspolitik in Form von Schildern und Hinweisen ist das eine; die gute und weitgehend rollstuhlgerechte Verkehrsinfrastruktur das andere. Ein Leben ohne Bordsteinkanten ist hier möglich und wurde seitens der Gemeinde stadtplanerisch aktiv vorangetrieben. Die 17 Kilometer lange Promenade von Los Cristianos entlang der Playa de las Americas bis hin zur Costa Adeje ist barrierefrei. Stufenfreie Holzwege führen an einzelnen Abschnitten direkt an den Strand und ins Meer, Strandrollstühle oder schwimmende Rollstühle stehen an geeigneten Stränden zur Verfügung.

So weit, so gut. Aber wie steht es um die Ausstattung der zahlreichen Unterkünfte in der Umgebung, um Hotels und Resorts, und ihre Angebote für Barrierefreiheit? Schaut man sich einige Anlagen aus dem Drei-,Vier- oder Fünf-Sterne-Segment an, so fällt auf, dass alle Häuser das Thema auf dem Schirm haben. Nicht verwunderlich, denn ab einer Größe ab 100 Zimmern müssen in Spanien barrierefreie Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Für viele ältere Menschen sind die Kanaren in den Wintermonaten eines der beliebtesten Reiseziele, einige bleiben gleich mehrere Monate. Ungehinderte Zugänge sind bei diesen Gästen besonders beliebt.

Aber sind auch alle Bereiche des Hotels barrierefrei erreichbar, einschließlich des Zugangs zum Pool? Hier gibt es einige Unterschiede. Spezielle Poollifte, mit denen man sich ins Wasser heben lassen kann und reservierte Bereiche für Menschen mit Behinderung sind Positivbeispiele. Ein fehlendes Geländer und reiner Treppeneinstieg sind die andere Seite. Ein Nachteil kann zudem die Lage des Hotels sein. Bei Häusern in der zweiten oder dritten Reihe wird die Hanglage zum Problem, weil Steigungen für Rollstuhlfahrer wenn überhaupt nur mit großer Mühe oder einer Begleitperson zu bewerkstelligen sind.

Ein Best-practice-Beispiel ist das Kurhotel Mar y Sol in Los Christianos. Das stellt man bereits im Eingangsbereich fest. Dass dieser barrierefrei ist – selbstverständlich. Aber die Rezeption zeigt, wie sehr man sich im Haus auf die Bedürfnisse der Gäste einstellt: Die Empfangstheke ist viel niedriger als sonst üblich und für Menschen im Rollstuhl gut einsehbar. Das rollstuhlgerechte Haus mit angeschlossenem Zentrum für Prävention und Rehabilitation und eigener Sporthalle hat Pionierarbeit geleistet, bevor es 1990 eröffnete. Ziel war und ist es,  Betroffenen und ihren Angehörigen einige angenehme Urlaubstage zu bereiten. Hierzu gehören der 24-Stunden-Dienst einer Krankenschwester, Service-Angebote wie unterschiedliche Duschstühle und elektrischen Betten oder eine Tauchschule zur sportlichen Betätigung. Der Besuch vieler internationaler Gäste zeigt, dass die Nachfrage nach einem passgenauen Angebot hoch ist. Selbst die Liegen am Pool wurden nach Tests auf die Bedürfnisse der Kunden abgestimmt. Daraus ist ein eigenes Patent entstanden. Nicht selten, dass Architektur-Studierende das Haus besuchen, um sich über das Thema Barrierefreiheit zu informieren.  

 

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