14
Sep
Frank Püttmann
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Pauschalreise: Keine klare Linie bei Deutschlands Reiseform Nummer Eins

30 Millionen Pauschalreisen buchen die Deutschen jährlich. Urlauber entscheiden sich hierzulande besonders gerne für die Pauschalreise, da sie unbekümmerte Ferientage ermöglicht. Professionelle Veranstalter managen nicht nur die An- und Abreise sondern kümmern sich auch „vor Ort“ um das Wohlergehen ihrer Gäste. Die Urlauber verlassen sich darauf und wissen, dass sie auch im Falle von unvorhersehbaren Ereignissen in guten Händen sind. Die Pauschalreise ist für Urlauber und die Tourismuswirtschaft so wichtig, dass sie in einem eigenen EU-Regelwerk definiert wird: der EU-Pauschalreiserichtlinie. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat jetzt einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der die Neufassung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht umsetzt.

Ein besonderes Augenmerk richtet das Ministerium auf den Verbraucherschutz. Die neue Regelung verpflichtet jetzt alle Anbieter von Pauschalreisen zu höchsten Verbraucherschutz-Leistungen, wie sie bisher nur von professionellen Reiseveranstaltern geboten wurden.

Klar ist: die Pauschalreise bietet nicht nur den Urlaubern entspannte Ferien, sie entlastet auch den Staat, der sich genauso wie die Reisenden darauf verlassen kann, dass „seine“ Bürger während ihrer Urlaubsreise gut und professionell betreut werden. Auch darum ist es richtig und im Interesse von Verbrauchern, Staat und Tourismuswirtschaft, wenn Schutzstandards in der neuen Richtlinie klar geregelt werden.

Was allerdings der Gesetzesentwurf aus dem BMJV an zusätzlichem Verbraucherschutz bei der Pauschalreise einbringt, macht die Praxis der sogenannten „Gewerbesteuerlichen Hinzurechnung“ bei vielen Urlaubsangeboten gleich schon wieder zunichte. Diese Steuer verteuert ausgerechnet die klassische Pauschalreise, da auch der Einkauf von ausländischen Hotelkontingenten der Gewerbesteuer in Deutschland unterliegen soll. Vermittelte Hotels unterliegen der Steuer nicht – und sie unterliegen auch nicht dem Verbraucherschutz der neuen Pauschalreiserichtlinie. Was nützt es, wenn die Verbraucherschutzelemente der Pauschalreise einerseits gestärkt werden, wenn andererseits steuerliche Anreize geschaffen werden, genau diese Reiseform nicht mehr zu buchen beziehungsweise anzubieten?

Verbraucherpolitik und Steuerpolitik steuern bei der beliebten Pauschalreise Made in Germany in entgegengesetzte Richtungen.

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