09
Aug
Frank Püttmann
puettmann-frank-quadrat

Was Nordafrika braucht für Wachstum und Wohlstand

Entwicklungsminister Gerd Müller will den EU-Markt vollständig für afrikanische Produkte öffnen und fordert die völlige Abschaffung von Zöllen und Handelsschranken für Produkte aus afrikanischen Ländern in der EU. Das ist eine gute Initiative für das Ziel, mehr Menschen vor Ort Perspektiven für wachsenden Wohlstand zu bieten. Dem Minister gebührt Dank für den unkonventionellen und mutigen Ansatz. Jobs und wachsender Wohlstand in Afrika liegt in unser aller Interesse, denn Menschen, die für sich und ihre Familien eine nachhaltige wirtschaftliche Perspektive haben, stabilisieren ihre Heimatländer.

Wenn der Minister auch die zahlreichen Steuern auf Urlaubsreisen nach Afrika mit aufnehmen würde, hätte seine Initiative ein noch viel größeres Potenzial. Denn: Gerade in den Ländern Nordafrikas verspricht kaum eine Branche eine nachhaltigere Entwicklung als der Tourismus. Um ein Gefühl für das erhebliche Potenzial zu bekommen, reicht der Blick auf zwei Zahlen: Die Ausgaben von Touristen in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen übersteigt die gesamte öffentliche Entwicklungshilfe um den Faktor 2,5. Gerade Afrika kann in diesem Bereich noch weiter wachsen: 2017 stieg die Zahl der internationalen Gäste auf dem afrikanischen Kontinent um acht Prozent. Mit positiven Effekten, die auch für die lokale Bevölkerung stark spürbar sind: In Nordafrika kann ein einziger Ferienflieger mit zwei täglichen, vollbesetzten Flügen nach Hurghada zum Beispiel rund 9.000 Arbeitsplätze schaffen. Von diesen Arbeitsplätzen können vor Ort einige Zehntausend Menschen gut leben und sich und ihren Familien sichere Existenzen aufbauen. Tourismus schafft Jobs, Ausbildung und viele weitere Investitionen wie in die Infrastruktur.


Der Entwicklungsminister unterstreicht mit seiner jüngsten Initiative die große Bedeutung der Wirtschaft in der Entwicklungszusammenarbeit vor Ort - im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe. Einen wesentlichen Schlüssel für mehr erfolgreiches (und schnelles) Wirtschaftswachstum hält allerdings die Bundesregierung selbst in der Hand. Die weiterhin bestehenden Hürden für den Tourismus gilt es abzubauen. Sie wirken genau wie die von Minister Müller angesprochenen Zölle und Handelsbeschränkungen vor allem wachstumshemmend! Erstens werden mit der deutschen Luftverkehrsteuer die genannten täglichen zwei Ägypten-Flüge jährlich mit rund drei Millionen Euro besteuert. Dieses Geld steht nicht für neue Tourismusangebote zur Verfügung – sondern landet als Steuereinnahme bei Minister Müllers Kabinettskollegen Olaf Scholz. Zweitens besteuert der deutsche Fiskus mit der sogenannten gewerbesteuerlichen Hinzurechnung Hotelübernachtungen - auch in Entwicklungsländern. Obwohl die Wertschöpfung im Tourismus in den Destinationen erwirtschaftet wird, kommt auch diese Steuer nicht den Destinationen zugute, sondern den deutschen Finanzämtern.

Die deutschen Urlauber kehren wieder nach Nordafrika zurück und Reiseunternehmen wie TUI sind dort zu neuen und weiteren Investitionen bereit. Noch mehr Wachstum und neue Jobs sind möglich! Die Bundesregierung kann jetzt beweisen, wie ernst es ihr mit einer nachhaltigen Afrika-Initiative wirklich ist.

Diskutieren Sie mit uns auf Twitter oder schreiben Sie uns eine E-Mail